Gründungsmitglieder erzählen Jugenderlebnisse

Heribert Hein beim Inngautraining in Sachrang vom 25.01.1965 bis 01.01.1966

Belohnt durch die guten Leistungen im letzten Jahr, erhielten 6 unserer Jugendsportler ( Freiberger Hans, Wagner Martin, Morgenstern Manfred, Huber Josef, Staffen Peter und Hein Heribert ) durch den Inngau eine Einladung zur Teilnahme an einem achttägigen Trainingskurs nach Sachrang. Der für Langläufer und Kombinierte ausgerichtete Lehrgang ( vom 25.12.65 – 1.1.66 ) fand bei unseren jungen Sportlern auch diesmal wieder regen Anklang. Mit 2 PKW fuhr also ein Teil unseres Nachwuchses nach Sachrang zur unserer zweiten Heimat. In Sachrang angekommen, wurden wir mit Freude von Herrn Schwarzbraun, dem nordischen Jugendreferenten begrüßt und in unser Quartier eingewiesen. Die Kursteilnehmer konnten heuer nicht alle in einem Haus untergebracht werden, sondern wurden in verschiedene Quartiere verteilt. Es mussten immer 2 oder 3 Teilnehmer in einem Zimmer schlafen. Es waren schöne Zimmer mit allem Komfort und teilweise auch mit Balkon. Der Inngau stellte uns heuer 3 Trainer zur Verfügung. Für den Lauflauf waren Schwarzbraun Dieter  und Wätzold Klaus beauftragt worden. Für die Springer, da es nur wenige waren, wurde der vielfache Inngaumeister im Sprunglauf Lengauer Wolfgang beauftragt. Auch unser Vorjahrstrainer Ferdl Angerer kam an einem Abend zu uns auf Besuch und zeigte uns einige Filme vom vorjährigen Kurs, damit jeder Kursteilnehmer Bescheid wisse, wo er sich noch verbessern müßte. Da sich die einzelnen Trainingstage ihrem äußeren Rahmen und Ablauf nach voneinander wenig unterscheiden, will ich versuchen dem Leser einem Trainingstag eingehender zu schildern. Ein paar Kursteilnehmer mussten eine ½ Stunde früher aus dem warmen Nest kriechen, denn sie hatten ja gute 2 Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Um ½ 9 Uhr trafen wir uns wie ausgemacht, vor dem Gasthaus zur Post, da uns ja der Wirt den Keller zum Wachsen und zur Aufbewahrung für die Ski und Wachse zur Verfügung stellte . Im Anschluss daran wurden die “Langlaufbretter“ hervorgeholt und nach eingehendem Wachsunterricht musste man nach allen Regeln der Kunst zu wachsen. Freilich haben einige unserer jüngeren Teilnehmer im Übereifer nicht daran gedacht ihre wichtige Wachskiste mitzunehmen und so mussten die Älteren dafür einspringen, denn sie waren ja mit ihren Gedanken schon im Kurs. Dann ging es endlich hinaus in den pulvrigen Schnee, wo sich jeder Läufer seine eigene Trainingsspur einlief. Nun  begann das Stiltraining. Jeder Läufer wurde genaustens von den Trainern korrigiert. Mancher Läufer kapierte es schneller und ein anderer brauchte dafür länger. Die Strecke wurde sooft auf und abgelaufen , bis der Stil genaustens von den Läufern beherrscht wurde. Und so kam mancher Läufer jetzt schon ins Schwitzen. Sobald der Stil von den Läufern  in der Parallelspur gut beherrscht wurde, ging es nun auf längere Strecken über und  alle versuchten dass, was man auf der kurzen Strecke gelernt hatte, nun umzusetzen und längere Zeit durchzuhalten. 15 – 20 km betrug die Länge der Strecke, die die Läufer von Sachrang nach Aschau oder von Sachrang zum Walchensee und wieder zurück führte. Jeder war froh als man gegen 12 Uhr zurückkehrte und den leider halbvoll gedeckten Mittagstisch vorfand. Die Läufer haben einen berechtigten Kohldampf mitgebracht und die Kassiererin hatte alle Hände voll zu tun um die 13 hungrigen Mäuler rechtzeitig zu stopfen. Leider reichte eine Portion nie aus und so mussten wir halbverhungert auf die Strecke gehen. Nach dem Mittagstisch wurde bis 14 Uhr Ruhepause angeordnet. Natürlich benützten unsere Helden diese Gelegenheit dazu, einen echt bayerischen Schafkopf zu klopfen und all zu früh sind die 2 Stunden Ruhezeit vorbei gewesen. Dann wurde es wieder ernst. Hinaus ging es für die Langläufer, das heißt eine Tour auf den 1850 m hohen Charspitz. Es war für manche Läufern keine Kleinigkeit, einer hatte einen glatten Ski und der andere pappige Ski. Die Läufer mit den glatten Ski schwitzten am besten und holten manche Heilige vom Himmel herab. Die größte Gaudi gab es aber doch bei der Abfahrt. Beide Trainer und ein Läufer brachen sich einen Ski ab und so mussten sie einfüßig ihre steile Abfahrt weitersetzen. Es ist kaum zu glauben was man bei solch einer Abfahrt alles erlebt. Wir hatten auch einen Saltokönig unter uns und zwar den Staffen Peter, er überschlug sich zweimal, ohne einen Skibruch und ohne eine Verletzung kam er glücklicherweise davon. Die Springer mussten sich Vor- und Nachmittag über die Schanze stürzen und der Trainer zeigte ihnen den Ab und Aufsprung. So wurde bis 17 Uhr trainiert. Nach dem anschließenden Teetrinken folgte wieder eine Ruhezeit bis 18 Uhr. Im Anschluss daran wurde zu Abend gegessen. Bereits jetzt konnte es einem stillen Beobachter nicht entgehen wie einzelne Teilnehmer verstohlene Blicke auf die flotte Kassierein warfen, besonders einer der Spezial-Springer, der ja auch dann meistens eine doppelte Portion bekam. Er hat ihr auch dann dafür die leeren Teller abräumen geholfen, damit er eine besondere Nummer bei ihr hatte. Die meisten waren vom Training schon ziemlich müde und vertrollten sich gegen 9 Uhr schon ins Bett, wo keine Lust zum Kartenspielen mehr zu spüren war. Die nächsten Trainingstage verliefen im äußeren Rahmen ähnlich wie der vorangegangene. Es wurde der Langlauf noch auf 25 km verlängert. Am vorletzten Tag wurde noch eine Tour mit den Langlaufschiern auf den 1700 m hohen Spitzstein unternommen. Die Kondition wurde daher bei den Teilnehmern nach einmal richtig geprüft. Nachdem man mit letzter Kraft oben angelangt war und zur Stärkung  eine warme Tasse Tee verschluckte, mussten wir uns schon wieder für die Abfahrt vorbereiten. Wer schon einmal auf Langlaufschiern gestanden ist, weiß wie schwierig es ist, damit abzufahren. Bei der Abfahrt hat es noch mächtig gestürmt, so dass wir keine 5 m sehen konnten. Ein Paar hatten sich verfahren und so mussten die Trainer nur schauen das sie ihre Schäflein beieinander halten konnten, damit keines verloren ging. Am gleichen Abend des Tages gaben die Trainer noch ihre abschließende Beurteilung über die einzelnen Kursteilnehmer. Das Urteil fiel für unsere Teilnehmer zum größten Teil gut aus, nur einer war ein bisschen zu speckig, dass ihm auch beim Laufen Sorgen machte. Die Trainer  gaben uns die Hoffnung mit, vielleicht auch im nächsten Jahr an einem Trainingskurs dabei sein zu können. Nur ungern trennten wir uns von den Trainern am folgenden Tag. Man verabschiedete sich nicht, ohne noch einmal den Herbergsleuten für die gute Betreuung für die gute Betreuung zu danken.

Aus der Gründerzeit des WSV

Volksskilauf bei Pappschnee mit fast 300 Teilnehmern

Auszug Wasserburger Zeitung vom Winter 1968

Trotz nicht gerade idealen Winterwetters konnte der WSV Zellerreit den geplanten 2. Inngau-Volkslanglauf durchführen. Am Start befanden sich 283 Teilnehmer. Start und Ziel befanden sich hinter der neuen Siedlung in Zellerreit-Unterfeld. Zahlreiche Fahne begrüßten die Teilnehmer und Zuschauer. Wegen der Schneeverhältnisse wurde die Strecke verändert. Der Pappschnee machte viele Läufern große Schwierigkeiten. Die Sollzeiten wurden um 10 Minuten erhöht. Vorstand Gerer begrüßte die Teilnehmer und Zuschauer, unter denen sich auch Bürgermeister Schärfl befand. Pünktlich wurde zum Lauf über 20 Km gestartet, ewtas später folgten die Teilnehmer über 10 Km. Anschließend wurde ein Gruppe von 73 Schülern abgelassen, die von erfahrenen Skiläufern betreut, ohne Sollzeit 10 Km zurücklegten. Die Ringstrecke führte in Richtung Graben, vorbei an der Zellerschanze, zum Hintergraberanwesen bis nach Schach, über die Anhöhe nach Oberfarrach und durch die Filzen wieder zum Ziel. Alle Läufer, die die Kontrollen passiert hatten, erhielten dieVolkslauf-Medaille mit dem Bild des Zellerreiter Schlosses. Über 20 km wurde Heribert Hein Sieger in 1.17.04 Std. vor seinem Vereinskameraden Peter Staffen …Sieger in der Klasse 10 Km wurde gerhard hajek aus Anzing …Der älteste Teilnehmer war 62 Jahre, der Jüngste 5 Jahre alt aus Grafing, der zu spät zum Start kam und von Franz Maier sicher über die Strecke geführt wurde. Bei den Schülern kamen Ludwig Beham und Georg Esterer als Erste im Ziel an.

Aus der Gründerzeit des WSV II

Zellerreiter Volkslauf mit 1200 Teilnehmern

Auszug Wasserburger Zeitung vom 23. Juni 1967

Ein voller Erfolg wurde der vom WSV Zellerreit veranstaltete erste Zellerreiter Volkslauf dank der guten Organisation und der hohen Teilnehmerzahlen. Mit Eifer hatten die Mitglieder des Vereins die Vorbereitungen getroffen und die Strecken festgelegt. Zahlreiche Fahnen und Willkommenstransparente begrüßten die Teilnehmer und Zuschauer auf dem  großen Parkplatz vor dem Gasthaus Esterer …. Der von der Gebirgsartellerie aus Reichenhall zur Verfügung gestellte Küchenwagen begann bald in Aktion zu treten und bereitete für die Teilnehmer heißen Tee. Zu den bereits eingegangenen Meldungen kamen noch 300 Nachmeldungen hinzu, so dass sich 1200 Teilnehmer zum Start einfanden. Ansage und Zielgericht hatte der TV Türkheim übernommen. Bei der Begrüßung wurde auch ein Grußwort des  Schirmherrn, Bundesfinanzminister Strauß für einen erfolgreichen Verlauf vorgelesen…Rupert Reininger vom WSV Zellerreit schickte alle Gruppen nach Zeitplan auf die Strecken. Die stärkste Gruppe bildete die Gruppe der Männer der Hauptklasse mit 243 Teilnehmern. Der Block, der sich an den Start stellte, war 30 Meter lang. Die Strecke war 10 Kilometer und die Sollzeit zum Erreichen der Plakette betrug 65 Minuten. Als Erster traf bereits nach 33.17 Minuten Karl Lentner im Ziel ein, gefolgt von Anton Köck aus Wasserburg und Rudolf Steffel aus Mühldorf…..Die Sollzeit erreichten 239 von 243 Teilnehmern ……..Für die Gruppe 2 der Männer betrug die Sollzeit 75 Minuten. Erster wurde Herbert Strigl (Rosenheim) vor Antonio Risognano (Montalbano,Italien) und Kurt Eichenseher (Augsburg) ….Bei den Damen war ein Lauf über 100 Meter in sechs Minuten zu bewältigen. Es siegte Elisabeth Eichenseher (Augsburg) vor Eva Langrock (Kassel) und Rita Froitshuber (Eiselfing) …. In der Jugendklasse war Rita Köll (Attel) erfolgreich. ….In der männlichen Jugend wurde in 4 Klassen gestartet. Werner Schenkel (Tacherting) siegte in Klasse III vor Ludwig Beham (Glonn) …….Ein Volksmarsch über 11,3 Kilometer wurde am Nachmittag gestartet…..Auch hier wies die Hauptklasse mit 243 Teilnehmern eine außergewöhnliche Zahl auf. …. Die Bundeswehr war mit 80 Mann vertreten ………Die Damen traten in 2 Klassen an…… Der Wanderpokal wurde von der Wandergemeinschaft Moosburg mit 43 Teilnehmern gewonnen. Der TSV Palling hatte 34 und die Volksschule Attel 32 Teilnehmer gemeldet. …..Vortand Gerer vom WSV Zellerreit sprach zum Abschluss allen Mitarbeitern und Teilnehmern den Dank aus. Alle wurden zum zwei0ten Volkslauf 1968 eingeladen.

WSV – Vereinsgeschichte

50 Jahre WSV Zellerreit

Eine kuriose Vereinsgeschichte

Von Martin Mayer ( Vereinsvorstand von 1972 bis 1988 )

Ist nicht die ganze Vereinsgeschichte schon kurios genug? Da wird mitten im Flachland ein Wintersportverein gegründet und es werden hauptsächlich mit Skispringen und Langlauf  solche Sportarten betrieben, welche den Gebirgsvereinen vorbehalten waren. Manche Umwege wurden gegangen, bis es dazu kam. Es waren Edlinger, also „Flachländler“,  welche nach dem Krieg auf dem Zellerreiter Berg die erste Sprungschanze errichtet hatten. Offenbar war Ihnen die Zellerreiter Bergwelt dann doch etwas zu steil, denn sie gaben so etwa 1950 die Schanze an den SC Haag ab. Bald darauf hatten aber auch schon die ortsansässigen Burschen die Schneid über die Zellerreiter Schloßbergschanze zu gehen. So kam es, dass sich mit der Gründung des SV Ramerberg im Jahr 1952 gleich eine Skiabteilung diesem Verein anschloss.  So hatten die Skisportler eine zehnjährige Heimat beim SV  Ramerberg.  Erst im vierten Anlauf, mit der Gründung des WSV Zellerreit,   gelang es,  den Wintersport in Zellerreit dauerhaft heimisch zu machen. So werden in  Zellerreit  schon  65 Jahre Wintersportwettkämpfe ausgetragen.

Voller Begeisterung für ihren Sport hatten die WSV`ler in kameradschaftlicher Zusammenarbeit die anstehenden Aufgaben bewältigt. In ehrenamtlicher Arbeit wurden zwei Sprungschanzen gebaut bzw. erneuert, später sind drei Tennisplätze und ein Tennisheim entstanden, es folgten ein Gymnastikraum, ein Eisplatz. Es ist erstaunlich; trotz der kostenaufwändigen Bauten, den Anschaffungen, wie den Vereinsbussen und den Loipengeräten, hatte der Verein in seinem 50jährigen Bestehen nie ernsthafte Geldsorgen. Auch bemerkenswert ist, dass der Verein seit etwa 25 Jahren einen konstanten Mitgliederstand von über 600 Personen hält, obwohl seine Heimatgemeinde Ramerberg nur gut doppelt so viele Gemeindebürger hat.

Wenn man den alten WSV„lern  zuhört, dann gibt es doch einige lustige Begebenheiten. Angefangen von den örtlichen Kinderskispringen mit den selbst genähten Startnummern bis zu den ersten Wettkampffahrten; sozusagen,  mit der „Eisenboh“ und dem Millifahrer“  zum Skispringen nach Sachrang. Dort kamen sie dann als „Flachländler“  mit weiten Pluderhosen und zittrigen Knien an.

Bis in alle Ewigkeiten wird der Verein ein Problem mit der unsicheren Schneelage haben. So hatte zum Beispiel der Winter 1989 von Januar bis April nur einen Frosttag. Ein ungewöhnlicher Winter war  im Jahr 2006 mit 122 Schneetagen (18. Nov. – 20. März). Karl Valentin hatte recht, wenn er sagte: „Alle reden vom Wetter, aber keiner tut was dagegen“. 

In den meisten Jahren hatte die mangelnde Schneelage den Zellerreitern graue Haare gekostet. Wie viele Körbe Schnee mussten bei Veranstaltungen auf die Sprungschanzen und den Langlaufloipen gebracht werden, damit die Veranstaltungen mit „Ach und Krach“ durchgeführt werden konnten? Oft ging nur ein weißes Schneeband von den Schanzen hinunter.  So trauten sich beim ersten Zellerreiter Skispringen wegen der schlechten Schneelage nur vier Skispringer über den Backen.  Einmal hatte ein Skispringer auf der Zellerschanze wegen Pappschnee einen „Salto“ vollbracht; der Umstand, dass er sich dabei keine Knochen gebrochen hatte, war nicht der Rede wert, aber das Tragische war, er hatte vor Zuschauerkulisse mit dem Sturz den ganzen Schnee vom Schanzenhang hinunter geschoben.

Ja, man muss heute sagen,  die Zellerschanze war ein aufwändiges Unternehmen. Mit viel Eigenarbeiten und vielen Spenden wurde der 21 Meter hohe Anlaufturm errichtet. Ein Schutzengel war dabei, als das Sicherungsseil der Planierraupe riss, die am Aufsprunghang Erde hinauf  geschoben hatte. Beinahe hätte sich die Baumaschine überschlagen. Auch andere WSV`ler  setzten Leben und Gesundheit ein.  So bekamen die Helfer beim Imprägnieren des Holzturmes mit den damaligen Giftstoffen eine Hautallergie. Zum Glück wusste man beim  Bau nicht, dass nur etwa acht Skispringen auf dieser Schanzenanlage durchgeführt werden konnten. Damals waren wir von unserer Sache überzeugt, sozusagen „Feuer und Flamme“  und nicht nur  „cool“  wie heute.

Die Kameradschaft unter den „Zellerreitern“ war vorbildlich. Einmal wurde sie jedoch arg gebeutelt. Zum ersten Mal führte der WSV Zellerreit die Inngaumeisterschaft durch und wieder waren zweifelhafte Schneeverhältnisse. So musste die Langlaufstrecke für den Staffellauf im Farracher Moos kurzfristig verlegt werden.  Der Streckenposten wurde aber von der Änderung nicht verständigt. So ergab sich ein furchtbares Wirrwarr. Der Staffellauf musste annulliert werden, denn die Läufer  sind kreuz und quer durch das Moos gelaufen. Das gab Ärger, Vorwürfe und eine Blamage gegenüber den  angereisten Gebirgsvereinen. Da waren wir kleinlaut und fühlten uns als unerfahrener Flachlandverein.  Einige Jahre später, bei der nächsten von uns ausgetragen Inngaumeisterschaft, waren wir schlauer.  Aus Schneemangel wurde der Langlauf mit über 300 Teilnehmern nach Sachrang verlegt. Zum ersten Mal verwendeten wir eine elektronische  Zeitmessanlage.  Mühsam hatten wir die Daten der Teilnehmer in das Gerät eingespeichert. Minuten vor dem Start geschah das Unglück. Es wurden alle Daten durch ein anderes Gerät gelöscht. Zum Glück hatten wir vorsorglich eine manuelle Wertung vorbereitet, so bekamen wir  für diese Veranstaltung doch noch ein großes Lob von den teilnehmenden Vereinen.

Auch gab es ein Happy End bei einem unserer Volksskiläufe. Es hatten sich gut 500 Teilnehmer aus ganz Südbayern angemeldet. Ein heftiger Föhnsturm schmolz den Schnee über Nacht hinweg; so lag zwischen Ramerberg und Zellerreit  am Wettkampftag kein Schnee mehr. Über den Rundfunk konnten wir die Veranstaltung nicht mehr absagen. Nur in Reitberg und an den Waldrändern war noch Schnee für eine Notloipe.  Mit gemischten Gefühlen schickten wir die Teilnehmer in den Massenstart. Und es war wie ein Wunder, – keiner der 500 Teilnehmer hatte sich beschwert, obwohl man  die Ski an manchen Stellen abschnallen und zu Fuß laufen musste.

Das alpine Skifahren war im Verein immer etwas im Schatten. Gerne erinnern sich die alten Skihasen noch an die ersten Vereinsmeisterschaften in Sachrang  mit der selbst eingetretenen Skipiste auf einer Waldwiese. Die Skier hatten damals keine Stahlkanten und es gab Stürze wie in den Stummfilmzeiten. In den späteren Jahren waren die Rennen in der Kelchsau und in Durchholzen schon professioneller, denn man hatte bessere Pistenverhältnisse und Zeitmessanlagen. In einem Jahr war die 82jährige Paula beim Rennen dabei. Das Rennleiterteam aus Österreich sagte uns damals „so etwas haben wir auch noch nicht erlebt“.

Mit zahlreichen geselligen Veranstaltungen wurde die Kameradschaft gefestigt und es kam auch viel Geld dadurch in die Vereinskasse. Ja, warum wird das beliebte Waldfest am Zellerreiter Schloss nicht mehr durchgeführt? Das kam so; zwei Jahre hintereinander kam am Spätnachmittag ein heftiges Gewitter, so mussten die Gäste das Waldfest fluchartig verlassen. Einmal hatten wir kurz vor dem Gewitter noch einen Hirschen (160 Liter Bierfass) angezapft. Dieses Fass wurde dann  „von den ganz Eisern“ in der Garage leer getrunken. Im dritten Jahr war die Wetterlage wieder verflixt. Laut dem Wetterbericht sollte  ein Gewitter kommen, aus diesem Grunde sagten die Verantwortlichen das Waldfest vorsorglich ab. Es kam aber kein Gewitter; viele Gäste konnten die Absage nicht verstehen, so mussten sie  trotz schönem Wetter heimgeschickt werden.  So ist dieses schöne Fest wegen den Wetterkapriolen gestorben. Über viele lustige  und sonderbare Ereignisse müsste hier geschrieben werden, Karl Valentin würde dazu sagen „im nachhinein kann man leicht lachen, im vorhinein tut man sich schwerer.“

Vielfältige Talente der Mitglieder kommen dem Verein zugute. Das eine Mitglied hat ein handwerkliches Geschick,  das andere Mitglied hat gute Ideen und macht sich die Hände  bei der Arbeit nicht dreckig. So einem, ich will es heute liebevoll sagen,  „Fantasten“ ,  verdanken wir zwei Abteilungen im Verein. So konnte er eine handvoll Zellerreiter von der Schönheit des Tennissports überzeugen, den man in Steppach auf einem Privattennisplatz ausgeführte. Außerdem wurde auf seine Anregung die Sparte Eissport gegründet.

Der Bau der Tennisplätze war auch so eine kitzlige Sache. Nicht nur, dass die ersten zwei Plätze vollkommen in Eigenleistung erstellt worden sind, obwohl keiner von uns eine Erfahrung im Tennisplatzbau hatte. Nein, schon am Anfang bekamen wir über die Platzwahl Zweifel. Wir hatten schon den Wald gerodet und die wilde Müllablagerungsstätte gesäubert. Erst dann kam das Gutachten vom Tennisverband mit der deprimierenden Nachricht, dass das Grundstück  ungeeignet sei. Ein erfahrener Bauunternehmer wurde daraufhin zu Rate gezogen. Er besichtigte den vorgesehenen Platz und sagte wörtlich „do baut`s den Plotz hie …. und des werd da Schenste weid und broad“. So gingen wir voller Eifer an die Arbeit.

Kurios ist auch, dass der Verein schon etwa 60 Waldläufe veranstaltet hat, obwohl er keine Leichtathletikabteilung führt. Bei früheren Volksläufen waren schon mehr als 1000 Teilnehmer am Start.  Außerdem gehört der WSV zu den ersten Vereinen in Bayern welche den Lauftreff eingeführt hatten. 

Über vieles kann man heute lachen oder besser gesagt, dem Schutzengel danken. Bei einer alpinen Hochtour am Großen Möseler hatte sich einmal eine Zellerreiter  Gruppe verlaufen und ist erst nach 17 Stunden Gehzeit zum Ausgangspunkt zurückgekommen. Auch erinnert man sich an die Skitour auf den  Piz Palü. An das Zelten im meterhohen Schnee, an die schwierige Skiabfahrt über die Gletscherspalten, oder auch an manche Bergtouren, – auf kantigem Fels,  bei Wolkenbruch und sengender Hitze.

Die Kajakfahrer könnten von waghalsigen Wildwasserfahrten berichten und von den selbstgebauten Kunststoffbooten. Auch ist eine Volkstanzgruppe und eine Faschingsgarde für einen Wintersportverein unüblich. Und manche, nun erwachsene „WSV`ler“ denken  an das Kinderzeltlager, an die angebrannten Spagetti und das nächtelange Kichern zurück. So kann jeder von uns seine kuriosen Vereinsgeschichten zum Besten geben.

Die Zellerreiter waren  in ihrer Vereinsgeschichte keine „lahmen Enten“; vielmehr hatten sie das Herz am rechten Fleck, hatten kräftig zugepackt, waren sportlich und fair und brachten das nötige Standvermögen auf um die Launen der Frau Holle auszuhalten. l