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Heribert Hein in Sachrang

Belohnt durch die guten Leistungen im letzten Jahr, erhielten 6 unserer Jugendsportler ( Freiberger Hans, Wagner Martin, Morgenstern Manfred, Huber Josef, Staffen Peter und Hein Heribert ) durch den Inngau eine Einladung zur Teilnahme an einem achttägigen Trainingskurs nach Sachrang. Der für Langläufer und Kombinierte ausgerichtete Lehrgang ( vom 25.12.65 – 1.1.66 ) fand bei unseren jungen Sportlern auch diesmal wieder regen Anklang. Mit 2 PKW fuhr also ein Teil unseres Nachwuchses nach Sachrang zur unserer zweiten Heimat. In Sachrang angekommen, wurden wir mit Freude von Herrn Schwarzbraun, dem nordischen Jugendreferenten begrüßt und in unser Quartier eingewiesen. Die Kursteilnehmer konnten heuer nicht alle in einem Haus untergebracht werden, sondern wurden in verschiedene Quartiere verteilt. Es mussten immer 2 oder 3 Teilnehmer in einem Zimmer schlafen. Es waren schöne Zimmer mit allem Komfort und teilweise auch mit Balkon. Der Inngau stellte uns heuer 3 Trainer zur Verfügung. Für den Lauflauf waren Schwarzbraun Dieter  und Wätzold Klaus beauftragt worden. Für die Springer, da es nur wenige waren, wurde der vielfache Inngaumeister im Sprunglauf Lengauer Wolfgang beauftragt. Auch unser Vorjahrstrainer Ferdl Angerer kam an einem Abend zu uns auf Besuch und zeigte uns einige Filme vom vorjährigen Kurs, damit jeder Kursteilnehmer Bescheid wisse, wo er sich noch verbessern müßte. Da sich die einzelnen Trainingstage ihrem äußeren Rahmen und Ablauf nach voneinander wenig unterscheiden, will ich versuchen dem Leser einem Trainingstag eingehender zu schildern. Ein paar Kursteilnehmer mussten eine ½ Stunde früher aus dem warmen Nest kriechen, denn sie hatten ja gute 2 Kilometer zu Fuß zurückzulegen. Um ½ 9 Uhr trafen wir uns wie ausgemacht, vor dem Gasthaus zur Post, da uns ja der Wirt den Keller zum Wachsen und zur Aufbewahrung für die Ski und Wachse zur Verfügung stellte . Im Anschluss daran wurden die “Langlaufbretter“ hervorgeholt und nach eingehendem Wachsunterricht musste man nach allen Regeln der Kunst zu wachsen. Freilich haben einige unserer jüngeren Teilnehmer im Übereifer nicht daran gedacht ihre wichtige Wachskiste mitzunehmen und so mussten die Älteren dafür einspringen, denn sie waren ja mit ihren Gedanken schon im Kurs. Dann ging es endlich hinaus in den pulvrigen Schnee, wo sich jeder Läufer seine eigene Trainingsspur einlief. Nun  begann das Stiltraining. Jeder Läufer wurde genaustens von den Trainern korrigiert. Mancher Läufer kapierte es schneller und ein anderer brauchte dafür länger. Die Strecke wurde sooft auf und abgelaufen , bis der Stil genaustens von den Läufern beherrscht wurde. Und so kam mancher Läufer jetzt schon ins Schwitzen. Sobald der Stil von den Läufern  in der Parallelspur gut beherrscht wurde, ging es nun auf längere Strecken über und  alle versuchten dass, was man auf der kurzen Strecke gelernt hatte, nun umzusetzen und längere Zeit durchzuhalten. 15 – 20 km betrug die Länge der Strecke, die die Läufer von Sachrang nach Aschau oder von Sachrang zum Walchensee und wieder zurück führte. Jeder war froh als man gegen 12 Uhr zurückkehrte und den leider halbvoll gedeckten Mittagstisch vorfand. Die Läufer haben einen berechtigten Kohldampf mitgebracht und die Kassiererin hatte alle Hände voll zu tun um die 13 hungrigen Mäuler rechtzeitig zu stopfen. Leider reichte eine Portion nie aus und so mussten wir halbverhungert auf die Strecke gehen. Nach dem Mittagstisch wurde bis 14 Uhr Ruhepause angeordnet. Natürlich benützten unsere Helden diese Gelegenheit dazu, einen echt bayerischen Schafkopf zu klopfen und all zu früh sind die 2 Stunden Ruhezeit vorbei gewesen. Dann wurde es wieder ernst. Hinaus ging es für die Langläufer, das heißt eine Tour auf den 1850 m hohen Charspitz. Es war für manche Läufern keine Kleinigkeit, einer hatte einen glatten Ski und der andere pappige Ski. Die Läufer mit den glatten Ski schwitzten am besten und holten manche Heilige vom Himmel herab. Die größte Gaudi gab es aber doch bei der Abfahrt. Beide Trainer und ein Läufer brachen sich einen Ski ab und so mussten sie einfüßig ihre steile Abfahrt weitersetzen. Es ist kaum zu glauben was man bei solch einer Abfahrt alles erlebt. Wir hatten auch einen Saltokönig unter uns und zwar den Staffen Peter, er überschlug sich zweimal, ohne einen Skibruch und ohne eine Verletzung kam er glücklicherweise davon. Die Springer mussten sich Vor- und Nachmittag über die Schanze stürzen und der Trainer zeigte ihnen den Ab und Aufsprung. So wurde bis 17 Uhr trainiert. Nach dem anschließenden Teetrinken folgte wieder eine Ruhezeit bis 18 Uhr. Im Anschluss daran wurde zu Abend gegessen. Bereits jetzt konnte es einem stillen Beobachter nicht entgehen wie einzelne Teilnehmer verstohlene Blicke auf die flotte Kassierein warfen, besonders einer der Spezial-Springer, der ja auch dann meistens eine doppelte Portion bekam. Er hat ihr auch dann dafür die leeren Teller abräumen geholfen, damit er eine besondere Nummer bei ihr hatte. Die meisten waren vom Training schon ziemlich müde und vertrollten sich gegen 9 Uhr schon ins Bett, wo keine Lust zum Kartenspielen mehr zu spüren war. Die nächsten Trainingstage verliefen im äußeren Rahmen ähnlich wie der vorangegangene. Es wurde der Langlauf noch auf 25 km verlängert. Am vorletzten Tag wurde noch eine Tour mit den Langlaufschiern auf den 1700 m hohen Spitzstein unternommen. Die Kondition wurde daher bei den Teilnehmern nach einmal richtig geprüft. Nachdem man mit letzter Kraft oben angelangt war und zur Stärkung  eine warme Tasse Tee verschluckte, mussten wir uns schon wieder für die Abfahrt vorbereiten. Wer schon einmal auf Langlaufschiern gestanden ist, weiß wie schwierig es ist, damit abzufahren. Bei der Abfahrt hat es noch mächtig gestürmt, so dass wir keine 5 m sehen konnten. Ein Paar hatten sich verfahren und so mussten die Trainer nur schauen das sie ihre Schäflein beieinander halten konnten, damit keines verloren ging. Am gleichen Abend des Tages gaben die Trainer noch ihre abschließende Beurteilung über die einzelnen Kursteilnehmer. Das Urteil fiel für unsere Teilnehmer zum größten Teil gut aus, nur einer war ein bisschen zu speckig, dass ihm auch beim Laufen Sorgen machte. Die Trainer  gaben uns die Hoffnung mit, vielleicht auch im nächsten Jahr an einem Trainingskurs dabei sein zu können. Nur ungern trennten wir uns von den Trainern am folgenden Tag. Man verabschiedete sich nicht, ohne noch einmal den Herbergsleuten für die gute Betreuung für die gute Betreuung zu danken.

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